Der große Schritt mit einem kleinen Schnitt
Jedes Jahr bekommen 150 000 Menschen in Deutschland ein neues Hüftgelenk, um im Alter beweglich zu bleiben. Das ist nicht ohne Risiko. Doch neue Operationsmethoden machen Bluttransfusionen in vielen Fällen überflüssig und schonen Muskeln und Sehnen. Ein Hamburger Arzt sagt, wie er operiert - mit der Technik der kleinen Schnitte.
Mobilität erhalten bis ins hohe Alter - angesichts des steigenden Anteils älterer Menschen in unserer Gesellschaft wird dieser Grundsatz immer wichtiger, besonders in der Medizin. Eingriffe, die dem besonders Rechnung tragen, sind Operationen, bei denen verschlissene, schmerzende Gelenke durch Kunstgelenke, sogenannte Endoprothesen, ersetzt werden.
Allein etwa 150 000 Menschen in Deutschland erhalten jährlich ein neues Hüftgelenk. Auf diesem Gebiet der Chirurgie wird jetzt zunehmend daran gearbeitet, die Operation mit möglichst kleinen Operationsschnitten und so gewebeschonend wie möglich durchzuführen. Experten sprechen von der "minimal invasiven Endoprothesenchirurgie", der Technik der kleinen Schnitte.
"Bei dem minimal invasiven Einsetzen einer Hüftgelenksendoprothese werden kaum Muskeln und Sehnen zerstört, die Patienten benötigen nur wenige oder überhaupt keine Bluttransfusionen und sind nach der Operation schneller wieder auf den Beinen als nach herkömmlichen Verfahren", sagt Dr. René Bock-Lamberlin, niedergelassener Orthopäde und seit April des vergangenen Jahres Chefarzt der Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf. Bock-Lamberlin schwört auf diese Methode, die er bereits seit zehn Jahren bei seinen Patienten anwendet und im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert hat. Bislang hat der Orthopäde etwa 1000 Patienten nach dieser minimal invasiven Methode operiert.
Bei den herkömmlichen Verfahren ist es üblich, die Operation über einen zehn bis 30 Zentimeter langen Hautschnitt vorzunehmen. "Bei dem minimal invasiven Verfahren reicht ein fünf bis acht Zentimeter langer Hautschnitt am Gesäß aus, um die Endoprothese einzusetzen", erklärt der Orthopäde. Durch diese Öffnung tastet sich der Operateur vorsichtig durch Lücken in der Muskulatur bis zum Gelenk vor, möglichst ohne Gewebe zu verletzen, und eröffnet mit einem weiteren Schnitt die Gelenkkapsel des Hüftgelenkes. "Dann kann ich durch bestimmte Bewegungen des Beines, das während des Eingriffes beweglich gelagert ist, den Hüftkopf aus der Gelenkpfanne herausdrehen", erklärt Bock-Lamberlin. Im nächsten Schritt wird der Hüftkopf entfernt. "Dann setze ich die künstliche Hüftpfanne ein, die aus Titan besteht. Je nach Alter des Patienten und der Beschaffenheit des Knochens wird die Prothese zementfrei oder mit Knochenzement im Hüftknochen verankert", erklärt der Orthopäde.
Damit letztendlich die Gelenkflächen reibungslos aufeinander gleiten, wird die künstliche Gelenkpfanne mit einem Einsatz aus Polyaethylen ausgekleidet. Im nächsten Schritt setzt der Operateur den langstieligen Schaft der Gelenkprothese in den Oberschenkelknochen ein, versieht ihn mit einem Hüftkopf aus Porzellan und fügt die beiden Teile der Endoprothese ineinander.
Bei dem gesamten Eingriff wird mithilfe besonderer Instrumente dafür gesorgt, dass die Muskulatur um das Gelenk herum möglichst wenig Schaden nimmt. "Denn die Muskeln halten die Hüfte. Damit diese Haltekräfte auf das Hüftgelenk so weit wie möglich intakt bleiben, ist es wichtig, bei dem Eingriff so wenig Muskelgewebe wie irgend möglich zu zerstören", betont Bock-Lamberlin. Die Operation dauert etwa eine Stunde, und die Patienten können am nächsten Tag wieder aufstehen. Sie müssen noch ungefähr zehn Tage in der Klinik bleiben und gehen anschließend für weitere drei Wochen in die ambulante oder stationäre Reha.

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